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Kakteen

Was sind Kakteen?

Wo wachsen Kakteen?

Entgegen der stark eingeprägten Meinungen wachsen Kakteen und Sukkulenten nicht ausschließlich in Wüsten, sondern kommen in verschiedensten Lebensräumen vor. Diese vielfältigen Lebensräume reichen von verschneiten Bergen, trockenen Graslandschaften bis hin zu warmen feuchten Regenwäldern im Süden Amerikas. Oft nutzen Kakteen und Sukkulenten jene lebensfeindlichen Umgebungen, die der Großteil der Flora nicht besiedeln kann.

Wüsten

Kakteen und Sukkulenten sind an trocknen bis sehr trockenen Standorten zweifelsohne die Herrscher in der Pflanzenwelt, denn sie überleben extreme Temperaturschwankungen (sengende Hitze und frostige Nächte) sowie lange Trockenperioden. Einige wenige Arten können sogar jahrelang ohne Wasser (Trockenwüsten mit weniger als 25cm Niederschlag) überleben, die meisten Kakteen und Sukkulenten wachsen jedoch in Halbwüsten (dort wachsen z.B. riesige Pachycereus), welche vereinzelt Regenschauer hervorbringen. Dort sind die Kakteen harten Bedingungen ausgesetzt, denn die Böden dort sind arm, kaum bewachsen und sehr felsig. Der morgendliche Tau oder Nebel der Küsten unterstützt viele Kakteen und Sukkulenten bei der Wasserversorgung, bevor die tägliche Hitze ihn wieder verdunsten lässt.

Gebildete Kolonien von robusten Sukkulenten wie z.B. der Haworthia, die zum Teil sogar Buschbrände überstehen, gedeihen auf trockenen Hochebenen und Plateaus im Schatten von anderen Gräsern und Büschen optimal. Kakteen und Sukkulenten der Wüstenregionen können viel Wasser speichern und somit lange Dürren überleben, indem sie ihr Wachstum zeitweise einstellen und somit nur im Energiesparmodus leben. Solche Ruhezeiten (vorallem während des Winters) sollten auch bei der Pflege in der Wohnung bedacht werden, um die Blütenbildung zu fördern. Allerdings kann auch in den Wüsten eines Tages der Schneefall eintreten. Einige Kakteen und Sukkulenten sind frosthart und können je nach Art kurze oder lange Frostperioden überstehen. Der Schnee bedeckt die Pflanzen und schützt sie somit vor der Kälte und dem eisigen Wind in der Nacht, mit der Schmelze liefert der Schnee wertvolles Wasser.

Gebirgswüsten

Es gibt auch Arten von Kakteen und Sukkulenten, die im Gebirge, auf Hochebenen, Geröllfeldern und steilen Berghängen leben. Dort, wo der Boden oft nur sehr dünn ist, nahezu kaum Wasser speichert und einen hohen Mineralgehalt hat, ist für die meisten nichtsukkulenten Pflanzen eher schädlich und wird daher von diesen auch kaum besiedelt. Die meisten Gebirgswüsten können den Kakteen oft nur extreme Bedingungen bieten. Intensive Sonnenstrahlen durch die Höhe der Gebirge, eisige Temperaturen von bis zu -20°C gepaart mit Schnee und Sturm halten nur die robusten Kakteen und Sukkulenten langfristig aus.

Kleine Kissenkakteen, die zur Blütezeit wie bunte Teppiche aussehen, kommen auf trockenen Ausläufern und Hängen häufig vor. Um sich vor den intensiven, stechenden Sonnenstrahlen zu schützen, haben die Kakteen im Laufe der Zeit ein dichtes Stachel- oder Wollkleid entwickelt – Sukkulenten hingegen wehren sich mit einer dicken, wachsähnlichen Haut vor den Elementen. Auch in Europa können Sukkulenten in freier Wildbahn gedeihen – so leben sämtliche der beliebten Sempervivum-Arten an felsigen Standorten der gemäßigten Breiten, z.B. in den alpinen Regionen, diverse Sedum-Arten wachsen auf der Nordhalbkugel und auf den Galapagos-Inseln, die fast ausschließlich aus vulkanischem Gestein bestehen, lebt z.B. der Brachycereus nesioticus.
Schmelzwasser liefert den Pflanzen über der Wolkendecke genügend Feuchtigkeit, doch es handelt sich um nur einige wenige Arten, die sich diesem Extrema anpassen können. Oft sind es kleine Kugel- oder Kriechkakteen wie z.B. Mammillarien, die dort überleben können. Diese in den Felsspalten wachsenden Spezies nutzen die Deckung der Felsen vor Sturm, erfreuen sich an den aufgewärmten Felsen bei Tageslicht und profitieren von in den Kuhlen gesammeltem Regenwasser. In etwas niedrigeren Lagen mit mehr Halt im Boden können auch die Großen wachsen.

Urwälder & Regenwälder

Zwar lebt die Mehrheit aller Kakteen- und Sukkulenten-Arten in kargen, trockenen Gebieten dieser Erde, jedoch gibt es auch eine Vielzahl von Spezies, die in tropischen und subtropischen Regenwäldern wie in Mittel- und Südamerika, Afrika, Sri Lanka und den westindischen Inseln beheimatet sind. Diese Sukkulenten lieben das konstant feuchtheiße Klima, das starke Sonnenlicht wird durch ein dichtes Blätterdach gefiltert. Die Wasserversorgung der Kakteen und Sukkulenten ist durch die hohe Luftfeuchtigkeit und regelmäßigen Regenfälle gesichert. Hier mussten sich die Pflanzen in der Vergangenheit eher dem mäßigen Licht als dem Wassermangel anpassen. Viele der Urwaldkakteen (z.B. Epiphyllum) und einigen Sukkulenten (Hoya) sind Epiphyten, d.h. sie wurzeln nicht im Erdreich, sondern in Astgabeln (z.B. Aporocactus aus Südamerika), Asthöhlen oder auf umgestürzten Baumstämmen anderer Urwaldriesen. Die meisten dieser Hängekakteen sind zugleich auch Blattkakteen, die komplett ohne Stacheln oder Dornen auskommen und meist die oberen, helleren Stockwerke der Baumkronen bewohnen. Einige Sukkulenten leben z.B. an halbdunklen Standorten des feuchten Waldbodens, andere Kakteen wie z.B. Gymnocalycium gedeihen im Halbschatten an den Waldrändern.

Blühen Kakteen eigentlich auch?

Die meisten Menschen haben Kakteen als stachelige Pflanzen im Gedächtnis, die alles können außer zu blühen. Doch die Realität sieht glücklicherweise anders aus, denn Kakteen bilden einige der schönsten Blüten in der Pflanzenwelt aus. Formen und Farben reichen von reinen Weiß-, Silbergrau und zarten Grüntönen über lebendiges Rot, knalliges Pink und Sonnenblumen-Gelb. Teilweise einfarbig, teilweise mit extrem beeindruckenden Farbmustern. Diese durch die Natur ohnehin schon gewaltige Palette an Blütenfarben wurde durch zahlreiche Kakteen-Hybriden stark erweitert. Lediglich eine wirklich blaue Blüte brachte die Zucht bisher nicht hervor. Ein beeindruckendes Blütenspiel zaubern uns z.B. diverse Echinopsis-Hybriden herbei, deren Blütendurchmesser meist größer ist als die Pflanze selbst – und davon können Dutzende auf einmal erblühen! Ähnlich erstaunlich, aber leider nicht so leicht zu beobachten ist das Erblühen der Selenicereus grandiflorus mit einem Durchmesser von bis zu 30 cm. Diese markante, weiße Blüte öffnet sich allerdings nur für eine einzige Nacht, daher ist Ausdauer und Geduld gefragt, um dieses Spektakel erleben zu dürfen.

Echinocereus armatus

Echinocactus grusonii

Echinopsis ‚Hagen‘

Die meisten für den Hausgebrauch geeigneten Kakteen blühen schon in recht geringem Alter – einige wenige Arten wie der sehr bekannte und beliebte Schwiegermutterstuhl blühen z.B. erst nach 30-40 Jahren, um die zum Blühen benötigten 38 cm Durchmesser zu erreichen. Für die anderen Kakteen gilt jedoch eine strikte Winterruhe von Oktober bis März als wichtigster Faktor zur Blütenbildung.

In dieser Zeit stehen die Kakteen in der Regel bei 5-10°C an einem sehr trockenen Standort, ehe sie im Frühjahr behutsam an Wasser und Sonne gewöhnt werden. In nahezu keinem Haushalt wird diese Winterruhe gehalten, weshalb die meisten Menschen die nur stacheligen, grünen Kakteen im Gedächtnis behalten…

Muss man Kakteen wirklich nie gießen?

Kakteen werden seit jeher leider oft als Pflanzen angesehen, die man nicht gießen muss, denn in der Wüste bekämen sie schließlich auch kein Wasser. Meist stehen sie dann noch auf dunklen Fensterbänken, die ganzjährig beheizt werden. Dies sind natürlich schlechte Voraussetzungen für Kakteen, die gesund wachsen und möglichst auch blühen sollen & wollen.  Kakteen und auch viele Sukkulenten sollten an einem sonnigen, warmen Standort stehen.

Um zu wachsen, benötigen Kakteen natürlich Wasser, und dort sollte man nicht zu sparsam sein, denn bei starker Sonneneinstrahlung verbauchen sie eine nicht unbeachtliche Wassermenge. Sobald die Pflanzen bei diesen Wetterbedingungen nicht gegossen werden, stellen sie auf den Energiesparmodus um, um möglichst lange zu überleben. Natürlich können die Kakteen ihre Energie dann nicht in das Wachstum oder die Blütenbildung investieren, denn dann würden sie diese Dürre nicht überstehen.

Eine ordentliche Bewässerung im Sommer 1-2x pro Woche ist also durchaus ein guter Richtwert, natürlich abhängig von der jeweiligen Art und weiteren Faktoren wie z.B. dem Substrat. Sollten ihre Kakteen oder Sukkulenten in falschem – meist torf- & lehmhaltigem Substrat wachsen, kann sehr schnell Wurzelfäule auftreten. Achten Sie daher besonders auf das Substrat der Pflanzen, welches möglichst mineralisch sein sollte. Detaillierte Pflegeanleitungen finden Sie bei Sukkulenten-Kaufen.de natürlich auch.

Wo kaufe ich Kakteen?

Kakteen und Sukkulenten finden Sie nahezu überall zu kaufen. In Gärtnereien, beim Floristen, in Bau- & Einrichtungshäusern und selbst im Supermarkt werden diese Pflanzen häufig angeboten. Doch welche sollten Sie kaufen? Sind Kakteen, die Sie in der Gärtnerei kaufen etwa gesünder als die aus dem Supermarkt? Man sollte ja auf die tolle Qualität der meist auch bedeutend teureren Gärtnereien vertrauen können, doch leider kann man hier keine pauschale Aussage treffen. Oft wurden Kakteen aus Supermärkten und Bauhäusern, die Sie für nur einen 1€ kaufen können, unter Kunstlicht gezüchtet, um möglichst schnell in den Verkauf zu gelangen. Die extreme Umstellung der Pflanzen von den künstlichen Bedingungen hinüber zum Wohnzimmer geht leider auf Dauer nicht immer gut aus. Das größte Problem bei nahezu allen Pflanzen ist das sehr schlechte Substrat – Kakteen und Sukkulenten mögen es größtenteils mineralisch und sehr durchlässig, um Staunässe und somit Wurzelfäule zu vermeiden.

Diese „industriellen“ Pflanzen werden leider meist in stark gepresstem Torf-Mix verkauft. Sollten Sie solche Kakteen kaufen oder gekauft haben, bitte entfernen Sie soviel Torf wie möglich und setzen die Pflanzen in mineralisches Kakteensubstrat (Bims z.B.) in einen atmungsaktiven Topf mit Loch. Sollte dieses schädliche Substrat nicht entfernt werden, droht bei zu häufiger Bewässerung ein Absterben der Pflanze. Leider musste ich Kakteen und Sukkulenten in diesem Substrat auch schon in großen und teils teuren Gärtnereien beobachten. Achten Sie also beim Kauf von Kakteen und Sukkulenten zwingend auf ein mineralisches Substrat, damit Sie lange Freude daran haben. Mit Sicherheit gesunde und kräftige Züchtungen finden Sie bei spezialisierten Kakteen & Sukkulenten-Züchtern sowie natürlich in unserem Sukkulenten-Kaufen.de Online-Shop.

Kakteen = Nutzpflanzen: Eigenschaften & Verwendung

Kakteen haben für viele Pflanzenliebhaber und -sammler einen ganz besonderen Reiz – sei es auf Grund der exotischen Erscheinung oder der Fähigkeit, extreme Wetterbedingungen zu trotzen. Allerdings haben sehr viele Kakteen abgesehen von den teils unglaublich schönen Blüten auch einen praktischen Nutzen. Sie alle haben in der Obst- & Gemüseabteilung schon einmal die Kaktusfeige gesehen – und ihr Name behält Recht, denn sie stamm wirklich von einem Kaktus: der Opuntia ficus-indica (gelb ist sie am Süßesten).

Dies, um nur ein Beispiel zu nennen, ist ein tolles Paradoxon, denn welche Pflanzenfamilie sieht ungenießbarer aus als stachelige Kakteen? Erstaunlicherweise können viele Kakteen- & Sukkulentenarten gekocht und als Gemüse verzehrt werden. Zudem liefern viele Arten köstliche Früchte.
Die reifen Früchte der Echinocereus triglochidiatus kann Marmelade gekocht werden.

Im süden Amerikas werden z.B. Neowerdermannia vorwerkii oder Optuntia subulata gekocht und gegessen. Die prallen Knollen von Ceropegia und Brachystelma gehören in Südafrika zum Hauptnahrungsmittel der Bantu. Aber es geht auch weniger herzhaft: Das aromatische, süß-saure Fruchtfleisch des Ferocactus wislizeni kann sogar zu Süßigkeiten kandiert werden. Bei der Vielfalt an Nahrungsmitteln muss es doch auch Getränke geben, die aus Kakteen hergestellt werden können? Natürlich, und jeder kennt es: Tequila! Aus in Mexiko wachsenden Agaven-Arten wird diese destillierte Branntwein hergestellt. Traditionell natürlich mit etwas Salz und einer Zitronenscheibe.

Aber nicht nur als Nahrungsmittel werden Kakteen und Sukkulenten verbraucht. Fast jeder hat in seinem Leben schon einmal einen Sonnenbrand mit Aloe Vera behandelt. Viele Medikamente oder Schönheitsmittel werden u.a. aus Kakteen und Sukkulenten hergestellt. Der zähflüssige Saft frisch angeschnittener Blätter der Aloe ist seit der Zeit der Griechen bekannt und wird auch heutzutage weiterhin angewandt. So wird auch die Aloe barbadensis als Zutat für zahlreiche Schönheitsmittel eingesetzt. Auch die nur eine einzige Nacht blühende Königin der Nacht (Selenicereus grandiflorus) wird für kreislaufstabilisierende Medikamente verwendet. Die fleischigen Knollen der Testudinaria elephantipes wurden zum Entzündungshemmer Kortison verarbeitet – auch heute noch werden viele Arten dieser Gattung für Anti-Baby-Pillen genutzt. Auch schlimme Erkrankungen wie Rheuma und Asthma sollen durch die Lophophora williamsii (Peyotl-Kaktus) behandelt worden sein. Heute ist diese Art wegen ihrer halluzinogenen Wirkung in vielen Ländern verboten.

Wie vermehre ich Kakteen?

Kann ich zuhause meine Kakteen vermehren oder gar aus Samen heran züchten? Diese Frage stellen sich sehr viele Liebhaber von Kakteen und Sukkulenten. Leider schrecken dennoch sehr viele Menschen davor zurück, da die Aussaat als zu kompliziert eingeschätzt wird. Dennoch ist gerade bei unseren sukkulenten Freunden (Cactaceae) die Aussaat verhältnismäßig einfach, wenn man es mit anderen Pflanzenfamilien und -ordnungen vergleicht. Die Aussaat der Sporen von z.B. Farnen kann als kompliziert und abschreckend eingestuft werden, die Aussaat von Kakteen jedoch (bis auf wenige Ausnahmen) nicht. Kakteen durch Aussaat zu vermehren ist sogar relativ einfach, da sie besonders keimfreudig sind – sowohl in der Anzahl der Sämlinge als auch bei der Keimdauer).

Grundsätzlich wichtig bei der Aussaat von Kakteen ist eine gleichmäßig warme Temperatur bei durchgehend feuchtem Substrat, da die Samen & Sämlinge sonst sehr schnell vertrocknen. Zudem wird ein heller Standort benötigt. Das Gefäß sollte idealerweise mit durchsichtiger Folie oder Ähnlichem abgedeckt sein. Kakteensamen sind hauptsächlich Lichtkeimer, d.h. sie werden nur auf der Oberfläche des Substrates verteilt und nicht mit diesem bedeckt. Eine detaillierte bebilderte Anleitung zur erfolgreichen Aussaat sowie eine Vielzahl von Kakteensamen finden Sie natürlich auf unserer Seite.